Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut

Die Geschichte der Müttergenesung im Erzbistum Köln

Die KAG Müttergenesung im Erzbistum Köln macht Lobbyarbeit für Familien und gibt durch Beratung und Kurvermittlung konkrete Hilfen für hilfebedürftige Mütter und Väter. Dahinter steht die seit Gründung der Müttergenesung die Auffassung „Wenn wir Eltern stärken – gesundheitlich und seelisch – dann geben wir auch ihren Kindern die Chance gesund aufzuwachsen und stark ins Leben zu gehen.“ Müttergenesungskuren sind eine sehr wirksame - und nebenbei gesagt - auch eine preiswerte Gesundheitsvorsorge für Familien. Zehntausende Frauen und Kinder wurden seit den 50er-Jahren beraten und in eine Kurmaßnahme vermittelt.

 

1922 – das erste Müttererholungsheim

Es waren Frauen, die vor 90 Jahre die „Müttergenesung“ ermöglicht haben. Das erste katholische Müttererholungsheim St. Hedwig wurde bereits 1922 von den Frauen- und Müttervereinen im Erzbistum Köln, der späteren kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) Rhöndorf am Rhein eingerichtet. Die kfd ist Mitglied des heutigen Trägerverbundes der KAG im Erzbistum Köln in dem kleinen Weinort

 

Zeitgemäße Antworten auf die Probleme

Mit dieser Pionierleistung hat die Müttergenesung im Erzbistum begonnen. Sie wirkt bis heute in dieser Tradition fort. Sie hat zu allen Zeiten immer auf die Probleme reagiert, mit denen Mütter zu kämpfen hatten. Das war schon so in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts als Deutschland noch unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges litt, Inflation und Arbeitslosigkeit das Land abgewirtschaftet hatten. Unter diesen Vorzeichen wurden die ersten Müttererholungsmaßnahmen unter schwierigsten Bedingungen organisiert. Die Inflation war auf dem Höhepunkt, Rhein und Ruhr französisch besetzt. Insbesondere schwangere Frauen und Mütter mit Kleinkindern aus dem Ruhrgebiet kamen in den Genuss dieser neuartigen Gesundheitsidee, der „Müttererholungsvorsorge“ für Frauen. Mit Lebensmittelspenden, die der damalige Weihbischof Joseph Stoffels persönlich sammelte, wurden die ersten Mahlzeiten für die erholungsbedürftigen Frauen zubereitet. Damit leistete die kfd wichtige Pionierarbeit, die auch über das Erzbistum Köln hinaus ausstrahlen sollte.

 

1930: Gründung der Katholischen Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung

1930 wurde die Katholische Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung im Erzbistum Köln gegründet, kurz danach – noch im selben Jahr – bildete sich die „Reichsarbeitsgemeinschaft für Müttererholung“. Die Kölner Arbeitsgemeinschaft hatte zwei Ziele, wie Wilhelmine Schumacher-Köhl, erste kfd-Diözesanvorsitzende von 1929-1941, es beschrieb: „Behördliche Zuschüsse zu den bisher aus eigenen Mitteln finanzierten Kuren zu erreichen“ und „...die Mütterferien innerlich so zu gestalten, dass mit der körperlichen Erholung auch eine seelische Bereicherung und Entspannung verbunden war.“ So wurden für die „seelische“ Betreuung „lebenserfahrene Frauen gewonnen und ausgebildet, die sich als Ferienleiterinnen ganz den Frauen widmeten ...“.

 

Ein moderner Therapieansatz etablierte sich

In den ersten Jahren der Müttererholung wurde damit grundgelegt, was heute den allgemein akzeptierten, und medizinisch-wissenschaftlich belegten Therapieansatz der Müttergenesung und die „Therapeutische Kette“ prägt: Körper, Geist und Seele gehören zusammen. Nachdem das Rhöndorfer Haus während des Krieges vorübergehend als Lazarett genutzt wurde, konnte dort die Arbeit fortgesetzt werden.

 

1950: Elly Heuss-Knapp gründete das Müttergenesungswerk

1950 gründete Elly Heuss-Knapp, Werbetexterin und Journalistin und Ehefrau des ersten Bundespräsidenten der jungen Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, das Müttergenesungswerk. Unter den Trägerverbänden ist natürlich die bundesweite Katholische Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung mit Sitz in Freiburg und mit ihr die Kölner Arbeitsgemeinschaft.

 

kfd und KAG gehören zusammen

Die Geschichte der KAG Müttergenesung ist bis heute eng verbunden mit der Geschichte der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Erzbistum Köln. Weitere Trägerverbünde sind der KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) im Erzbistum Köln und der Diözesan-Caritasverband Köln.

 

Ehrenamtliche Sammlerinnen sammeln viele Spenden

Es sind insbesondere die kfd-Mitglieder, die jedes Jahr im Mai mit Sammelbüchsen und an der Haustür für die Müttergenesung unterwegs sind und Aktionen für die Müttergenesung organisieren.. Bundesweit erreichen sie den letzten Jahren mit jeweils etwa 115.000 Euro die höchsten Sammlungsergebnisse. Außerdem wird die Geschäftsführung der KAG Müttergenesung seit den 50-er Jahren von der kfd gestellt. Meist waren es die Diözesanvorsitzenden oder stellvertretende Diözesanvorsitzende, die diese Aufgabe ehrenamtlich übernahmen. Gegenwärtig ist dies Elisabeth Bungartz. Die kfd selbst unterhielt noch in den 80er Jahren bis ins neue Jahrtausend drei bzw. zwei Kurvermittlungsstellen in den Stadtverbänden Düsseldorf, Köln und Bonn.

 

Mitte 80-er Jahre: hauptamtliche Geschäftsführerin

Die erste hauptamtliche Geschäftsführung übernahm ab Mitte 80er-Jahre Marlis Billig, ihre Nachfolgerin war seit April 2000 bis Ende 2018 Marlies Gemein.

Die zunehmende Professionalisierung der Arbeit seit den 90er-Jahren und die wachsenden Aufgaben innerhalb der Müttergenesung und in der Verbandsarbeit machten eine Umstrukturierung der Arbeit erforderlich. Heute sind die mehr als 30 Kurberatungsstellen bei den Caritasverbänden bzw. dem SkF in Köln und SKFM in Düsseldorf angesiedelt, wo bis Ende 2018 die KAG Müttergenesung zwei eigene Beratungsstellen unterhielt.

 

Heutige Themenschwerpunkte

Inzwischen konzentriert sich die Geschäftsstelle auf die inhaltliche Koordinierung und Begleitung der Kurberaterinnen und hält den Kontakt zum Müttergenesungswerk in Berlin und zur Bundesgeschäftsstelle der KAG Müttergenesung in Freiburg. Außerdem ist die Geschäftsführung im Landesausschuss Müttergenesung Nordrhein-Westfalen vertreten und treibt hier auch mit voran, dass die Beratungsarbeit für pflegende Angehörige finanziell unterstützt wird. Zu den Aufgaben gehört es auch, neue Beratungskonzepte zu entwickeln und die Fachkliniken der Müttergenesung in speziellen Fragestellungen zu unterstützen.

 

Erfolgreiche Lobbyarbeit im neuen Jahrtausend

In den letzten fünfzehn Jahren hat die Müttergenesung bundesweit viele Erfolge zu verzeichnen. Das frauenspezifische und ganzheitliche Gesundheitskonzept mit der Therapeutischen Kette aus Beratung, Gesundheitsmaßnahme und Kurnachsorge hat auch fachliche Anerkennung gefunden. Wissenschaftliche Studien des Hochrhein-Instituts, Freiburg und des Forschungsverbundes Prävention und Rehabilitation für Mütter und Kinder an der Medizinischen Hochschule Hannover haben die nachhaltige Wirksamkeit der Müttergenesungskuren bestätigt. Aus dem früher oft belächelten „Urlaub für Mutti“ (was de facto nie so stimmte) sind ärztlich verordnete, stationäre „Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen“ geworden. Mütterkuren und Mutter-Kind-Maßnahmen gehören zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen, die die Kosten übernehmen müssen. Das Prinzip der Krankenkassen „ambulant vor stationär“ ist für die Müttergenesungskuren aufgehoben.

 

Ab 2010: Es kommen neue Zielgruppen hinzu

Seit etwa 2010 werden in der Kurberatungsstellen im Erzbistum Köln auch Väter und pflegende Angehörige in den informiert – auch hier besteht hoher und stetig wachsender Beratungsbedarf.

Für geflüchtete Familien wurde 2017 zusammen mit der Caritas Fachklinik „Haus Feldberg“ im Südschwarzwald ein eigenes Kurkonzept entwickelt, das im Herbst 2018 zum ersten Mal erprobt wurde. Außerdem unterstützen seit 2014 ehrenamtliche Kurlotsinnen die hauptamtlichen Beraterinnen im Rhein-Sieg-Kreis und Rheinisch-Bergischen Kreis. In einigen katholischen Familienzentren, zum Beispiel in Erftstadt gibt es außerdem spezielle Sprechstunden, für die nach Vereinbarung Termine vergeben werden.

 

2019: Unter dem Dach des Diözesan-Caritasverbandes Köln

Im Januar 2019 wechselte die Trägerschaft der KAG Müttergenesung vom Erzbistum Köln, wo sie in der Hauptabteilung „Erwachsenenseelsorge“ angesiedelt war, zum Diözesan-Caritasverband Köln.

Sabine Schleiden-Hecking